Unter dem Titel "Elternschule - das Baby verstehen" hat die Karl Kübel Stiftung zusammen mit dem Familientherapeuten Professor Dr. Manfred Cierpka vom Universitätsklinikum Heidelberg (Abteilung Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie) ein Projekt gestartet, das werdende Eltern in Kursen auf ihre Rolle nach der Geburt ihres Kindes vorbereitet.
"Je früher desto besser"
So könnte das Motto des Heidelberger Präventionsprogramms „Das Baby verstehen" lauten, denn Ziel des Programms ist es, werdenden Eltern zu helfen, eine stabile Beziehung und eine sichere Bindung zu ihrem neugeborenen Kind aufzubauen, so dass seelische Störungen gar nicht erst entstehen. Dieses Elternschuleprogramm wird jetzt deutschlandweit angeboten.
Das Kurskonzept einschließlich Lehrmaterialien wurde zwischen 2003 und 2004 am Universitätsklinikum Heidelberg mit Unterstützung der Karl Kübel Stiftung entwickelt. Die Kursunterlagen bestehen aus einem theoretischen Grundlagenbuch, einem Anleitungsheft mit konkreten Handlungsvorgaben und einer DVD mit zahlreichen Videosequenzen von Eltern-Kind-Interaktionen, die im Curriculum zur Demonstration verwendet werden.
Bereits am Ende der Schwangerschaft mit dem Kurs starten
Für den deutschlandweiten Einsatz haben das Heidelberger Präventionszentrum, das auch das Gewaltpräventionsprogramm "FAUSTLOS" vertreibt, und die Karl Kübel Stiftung die gemeinnützige Focus-Familie GmbH gegründet.
Die Elternkurse sollten möglichst bereits im letzten Monat der Schwangerschaft starten. "Wir wissen heute, wie entscheidend die frühe Kindheit für die spätere Entwicklung und auch für die Gesundheit im Erwachsenenalter ist. Wir müssen die Eltern stark machen, um die Kinder entsprechend zu fördern", so Professor Manfred Cierpka. Deshalb beginnen die Elternkurse bereits im letzten Monat der Schwangerschaft. Speziell geschulte Multiplikatoren - Hebammen, Kinderärzte, Gynäkologen und weitere Expertinnen und Experten der Geburtsvorbereitung - unterstützen die Eltern, die Signale ihres Babys zu entschlüsseln und adäquat zu reagieren, damit sich eine stabile Beziehung entwickeln kann.
In den fünf Kurseinheiten (Doppelstunden), an denen zehn bis 15 Personen teilnehmen, steht die Interaktion mit dem Baby im Mittelpunkt. Videoszenen, die Eltern mit ihrem Baby in der häuslichen Umgebung zeigen, demonstrieren die wichtigsten Kommunikationssignale im Alltag.
Abschluss des Expertentrainings mit Zertifikat
Fachleute, die selbst Elternkurse anbieten möchten, können ein zweitägiges Expertentraining absolvieren, das mit einem Zertifikat abgeschlossen wird. Dieses Fortbildungsangebot richtet sich an Experten, die Eltern mit Säuglingen beraten oder behandeln: Hebammen, Pädiater und Kinderkrankenpfleger aber auch Psychotherapeuten, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Psychologen und Pädagogen.
Seit 2005 bietet die Focus Familie gGmbH die Multiplikatoren-Schulungen im gesamten Bundesgebiet an. Der Landkreis Bergstraße hat Anfang 2006 mit dem Universitätsklinikum Heidelberg und mit Unterstützung der Karl Kübel Stiftung und zahlreicher Krankenkassen ein Modellprojekt gestartet, um Eltern das neuartige Präventionsprogramm flächendeckend zur Verfügung zu stellen. Bisher wurden 33 Multiplikatoren geschult, die ab Frühjahr 2006 eigene Elternkurse in der Region durchführen.







